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Und
schliesslich steht sie dir eines Tages dann doch im Weg: massiv, breitbeinig
und düster. Und lässt dich einfach nicht vorbei. So sehr du auch
links oder rechts einen Pfad erspähen möchtest, nach einer Ausweichstelle
Ausschau hältst, es nutzt nichts. Die Wirtschaftskrise. Von der rede
ich. Man kriegt es ja seit Monaten in den Medien von vorne und hinten rein
geschraubt, man diskutiert es im beruflichen wie privaten Umfeld und hofft
doch insgeheim, dass der Kelch an einem vorübergehen möge, dass
man vielleicht doch hoch genug am Ufer sitzt und die Flut nicht bis hierher
reichen wird. Aber dann ist eben Springflut und die Wasser reichen auch
in Regionen, die unlängst noch trocken waren und schliesslich bekommt
man selber nasse Füsse. Langer Rede kurzer Sinn: auf Grund gewisser
Veränderungen beruflicherseits steht mir auf einmal der gesamte Mai
zur freien Verfügung. Und da die angedeuteten Vorkommnisse quasi über
Nacht von heute auf morgen erfolgen, weiss ich erstmal noch gar nicht, wie's
denn jetzt nun mit mir weiter geht. Nun, jeder geht mit solchen Situationen
anders um, der eine tut dies, der andere jenes - ich weiss aus Erfahrung,
dass mir eine Radreise den Kopf auslüften und die struben Gedanken
relativieren wird und bevor ich mich ab Juni auf Jobsuche begebe, werde
ich erstmal zu meinen Kraftorten pilgern, um mich wieder zu erden und den
inneren Kompass zu norden.
Kurz vor diesen Ereignissen war mein Trike, das Scorpion von HP Velotechnik, beim Servicecheck und beim lustvollen Nachhauseradeln kam die Idee auf, mal eine längere Reise mit diesem Rad zu unternehmen. Bisher hat mich das Einladen in den Zug immer davon abgehalten - denn diese Prozedur gehört auch mit Zweirädern nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen - und die Aussicht auf diverse Schikanen/Hindernisse, die einem auf Radreisen so begegnen können, als da sind grobe Naturwege, enge Durchfahrten, zu steile Anstiege, bei denen man das Rad schieben müsste (was mit dem Trike recht mühselig ist) oder auch Radabstellplätze tief unten in den Katakomben von Hotels oder Gasthöfen, zu denen man das Rad über gewundene und enge Treppen tragen müsste. Hab ich ja alles auf früheren Reisen schon erlebt und mich gefragt, wie's wohl den Kollegen mit den Trikes in solchen Situationen ergehen mag. Und jetzt, da ich genügend Zeit für eine Rundreise habe und nicht auf Zugtransport angewiesen bin, will ich es für einmal selber wissen. Zwar steht ein nagelneues Flux Liegerad bei mir zuhause, das in Zukunft als Reiserad dienen soll, aber das läuft mir nun wirklich nicht davon. Ich nehme jetzt lieber mal die Gelegenheit wahr und setze mich auf's Dreirad. Da jedoch bei mir nie alles so richtig glatt zu gehen scheint, ereignet sich eine Woche vor Reisebeginn noch etwas, das die gesamte Reise in Frage stellen wird: um das Trike noch reisetauglich zu machen und ein bisschen dran rumzuschrauben, schleppe ich es rauf in die Wohnung. Später, beim Tragen hinunter in den Fahrradraum, stolpere ich auf der Treppe und knicke prompt mit dem linken Fuss um und verstauche oder zerre mir irgendwas am Knöchel. Gebrochen ist wohl nichts, aber innert kürzester Zeit schwillt es an wie verrückt und wird steif. Und damit steht plötzlich die Reise auf der Kippe. Zum guten Glück bessert sich der Zustand im Laufe der Woche soweit, dass ich pünktlich zum 1. Mai wie geplant losziehen kann. |
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