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Sonntag, 16. August 2009

Von Chartres nach Bois-Guibert, Bonnevalle (45 Km)

         
Chartres liegt etwas verdeckt in einem Talkessel (ein Teil zumindest), so dass man (fast) nur die Kathedrale sich über die Felder erheben sieht, wenn man sich der Stadt nähert. Das suggerieren jedenfalls die Ansichtskarten, die man zum Kauf angeboten bekommt. Genau so ein duftes Foto hätte ich natürlich auch selber gerne geknipst, von der Ferne mit dem Teleobjektiv aufgenommen, aber daraus wird leider nichts, denn wir fahren wohl in der falschen Richtung aus der Stadt hinaus.

Als wir über die kleinen holprigen Departementstrassen rollen, fallen mir die Bedingungen ein, die den Ingenieuren bei Citroën für die Entwicklung des 2CV vorgeben waren: Unter anderem sollte die Federung des zukünftigen Fahrzeuges dergestalt sein, dass ein Bauer einen Korb Eier unbeschadet zum Markt transportieren könne (neben einer Höchstgeschwindigkeit von mindestens 60 Kmh und noch ein paar anderen Parametern, wie man bei Wikipedia nachlesen kann…). Ist halt schon ein romantisches Frankreichbild, das der Tourist im allgemeinen und ich im besonderen so mit sich herum trägt. Dabei wissen wir alle, dass jede Zeit bzw. jedes Zeitalter seine Licht- und Schattenseiten hat. Aber wäre das Leben nicht öde, wenn man nicht ab und zu ein bisschen verklären darf?

Also unebene kleine Strässlein, tausendfach geflickt, zum Rand hin mehr oder minder ausgefranst. Einsame Gehöfte und Dörfer. Kein Verkehr. Ruhe beziehungsweise Einsamkeit, je nach persönlichem Blickwinkel. So sieht's heute aus.

 
 
Und recht gemütlich geht's los: In der Innenstadt von Chartres noch schnell etwas Tagesproviant organisiert, in Richtung Süden aus der Stadt hinaus geradelt und ein Weilchen auf einem Radweg am Flüsschen Eure entlang, bevor uns die D127 durch eine Landschaft geleitet, die hauptsächlich von abgeernteten Getreidefeldern bestimmt wird. Kilometerweit erstrecken sich diese bis zum Horizont, nur ab und zu von einer kleinen Baumgruppe oder einem Mais- oder Sonnenblumenfeld aufgelockert. Am frühen Vormittag ist es sehr dunstig oder neblig, und ein kühlender Nordwind unterstützt uns auf unserem Weg nach Süden. Hier zeigt sich alles sehr trocken und verdorrt, so als ob es schon wochenlang nicht mehr geregnet hätte (was auch genau der Fall ist). Sogar die Rasenflächen und Gärten in den Dörfern sind braun und verbrannt.


Bald kommt die Sonne wieder durch und die Temperaturen schnellen in die Höhe, allerdings wird es nicht ganz so heiss wie am gestrigen Tag.

Wir kommen an den zweiten Fluss, der dieser Provinz hier den Namen gegeben hat: dem Loir. Ohne "e" am Schluss. Die Gegend hier wird dementsprechend "Eure et Loir" genannt. An den Ufern des Loir liegt Alluyes, ein malerisches Städtchen mit Mühle, Bootsstegen und Weiden am Flussufer. gelangen wir an unser Etappenziel, der Hostellerie Bois Guibert, etwas ausserhalb der Stadt Bonneval im Dorf Guibert gelegen.

Der Wirt, der mittags im Restaurant noch recht steif im Kellnersmoking seine reichlich erschienenen Mittagsgäste bewirtet, taut im Laufe des Tages immer mehr auf und wird von Stunde zu Stunde legerer - der Auftakt zu einer Reihe von angenehmen Begegnungen während dieser Reise. Der erneut drückend heisse Nachmittag lässt sich am besten lesend oder dösend im Park der Hostellerie geniessen, eines Herrenhauses mit wechselhafter Geschichte. Leider sind die grossen Kastanien krank und die braunen Blätter fallen schon zu Boden.