| Chartres liegt etwas verdeckt
in einem Talkessel (ein Teil zumindest), so dass man (fast)
nur die Kathedrale sich über die Felder erheben sieht,
wenn man sich der Stadt nähert. Das suggerieren jedenfalls
die Ansichtskarten, die man zum Kauf angeboten bekommt. Genau
so ein duftes
Foto hätte ich natürlich auch selber gerne geknipst,
von der Ferne mit dem Teleobjektiv aufgenommen, aber daraus
wird leider nichts, denn wir fahren wohl in der falschen Richtung
aus der Stadt hinaus.
Als wir über die kleinen holprigen Departementstrassen
rollen, fallen mir die Bedingungen ein, die den Ingenieuren
bei Citroën für die Entwicklung des 2CV vorgeben
waren: Unter anderem sollte die Federung des zukünftigen
Fahrzeuges dergestalt sein, dass ein Bauer einen Korb Eier
unbeschadet zum Markt transportieren könne (neben einer
Höchstgeschwindigkeit von mindestens 60 Kmh und noch
ein paar anderen Parametern, wie man bei Wikipedia
nachlesen kann
). Ist halt schon ein romantisches Frankreichbild,
das der Tourist im allgemeinen und ich im besonderen so mit
sich herum trägt. Dabei wissen wir alle, dass jede Zeit
bzw. jedes Zeitalter seine Licht- und Schattenseiten hat.
Aber wäre das Leben nicht öde, wenn man nicht ab
und zu ein bisschen verklären darf?
Also unebene kleine Strässlein, tausendfach geflickt,
zum Rand hin mehr oder minder ausgefranst. Einsame Gehöfte
und Dörfer. Kein Verkehr. Ruhe beziehungsweise Einsamkeit,
je nach persönlichem Blickwinkel. So sieht's heute aus.
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| Und recht gemütlich geht's
los: In der Innenstadt von Chartres noch schnell etwas
Tagesproviant organisiert, in Richtung Süden aus
der Stadt hinaus geradelt und ein Weilchen auf einem Radweg
am Flüsschen Eure entlang, bevor uns die D127 durch
eine Landschaft geleitet, die hauptsächlich von abgeernteten
Getreidefeldern bestimmt wird. Kilometerweit erstrecken
sich diese bis zum Horizont, nur ab und zu von einer kleinen
Baumgruppe oder einem Mais- oder Sonnenblumenfeld aufgelockert.
Am frühen Vormittag ist es sehr dunstig oder neblig,
und ein kühlender Nordwind unterstützt uns auf
unserem Weg nach Süden. Hier zeigt sich alles sehr
trocken und verdorrt, so als ob es schon wochenlang nicht
mehr geregnet hätte (was auch genau der Fall ist).
Sogar die Rasenflächen und Gärten in den Dörfern
sind braun und verbrannt. |
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Bald kommt die Sonne wieder
durch und die Temperaturen schnellen in die Höhe, allerdings
wird es nicht ganz so heiss wie am gestrigen Tag.
Wir kommen an den zweiten Fluss, der dieser Provinz hier den
Namen gegeben hat: dem Loir. Ohne "e" am Schluss.
Die Gegend hier wird dementsprechend "Eure et Loir"
genannt. An den Ufern des Loir liegt Alluyes, ein malerisches
Städtchen mit Mühle, Bootsstegen und Weiden am Flussufer.
gelangen wir an unser Etappenziel, der Hostellerie
Bois Guibert, etwas ausserhalb der Stadt Bonneval im Dorf
Guibert gelegen.
Der Wirt, der mittags im Restaurant noch recht steif im Kellnersmoking
seine reichlich erschienenen Mittagsgäste bewirtet, taut
im Laufe des Tages immer mehr auf und wird von Stunde zu Stunde
legerer - der Auftakt zu einer Reihe von angenehmen Begegnungen
während dieser Reise. Der erneut drückend heisse Nachmittag
lässt sich am besten lesend oder dösend im Park der
Hostellerie geniessen, eines Herrenhauses mit wechselhafter
Geschichte. Leider sind die grossen Kastanien krank und die
braunen Blätter fallen schon zu Boden. |