Die letzten zwei Etappen haben uns sehr müde gemacht. Besonders das Radeln in der Mittagshitze, kombiniert mit den Steigungen, hat es in sich. Wir beschliessen, heute so früh wie möglich aufzustehen. Derjenige von uns, der als erstes wach wird, soll den anderen wecken, egal wie spät oder früh es ist… und wirklich sind wir schon um sechs Uhr, noch vor Sonnenaufgang, unterwegs. Allerdings mehr schlecht als recht, denn wir haben beide nicht sonderlich gut geschlafen. Da wir zudem mit nur etwas Schokolade im Magen losziehen, trifft es sich ganz gut, dass es die ersten Kilometer bergab geht. Aufgehen tut dagegen jetzt die Sonne und plötzlich ist die Welt wieder in Licht und Schatten unterteilt. In einer Fernfahrerkneipe gibt's dann bald Kaffee und Croissants und es kommt zu einer Begegnung zwischen Bikern und Bikern, denn drei Herren mittleren Alters haben sich hier wohl zu einer Motorradtour verabredet. Als wir wieder aufbrechen, steht Honda neben Streetmachine und Yamaha neben Delite…was will ich damit sagen? Weiss es eigentlich auch nicht, war nur irgendwie eine amüsante Begegnung, wie wir beiden "Parteien" uns da so gegenseitig musterten und abschätzen.

Gleich nachher verirren wir uns erstmal und handeln uns etliche Kilometer Umweg ein, weil auf einem von kleinen Asphaltstrassen durchzogen Ackerbaugebiet die Strassen nicht nummeriert sind, mit Wegweiser gespart wird und wir Haupt- von Nebenstrasse nicht unterscheiden können. Wahrscheinlich (oder ziemlich sicher) sind wir selber so früh am Morgen auch noch nicht recht auf Betriebstemperatur. Da stehen wir extra so früh auf und nun verplempern wir hier wertvolle Zeit - sowas nervt! Als wir endlich wieder auf Kurs sind, stellt sich heraus, dass wir beide heute einfach nicht in die Gänge kommen und kaum einen Blick für die Landschaft übrig haben. Dabei duftet es so würzig und allein diese Farborgie im Morgenlicht! Als wir jedoch auf einer kleinen Brücke die Drôme queren und in Grane die Hinweisschilder für einen Campingplatz sehen, ist der Tag gelaufen und mitten am Vormittag checken wir ein, stellen unser Zelt in Windeseile auf und legen uns erstmal hin…

 

Mittlerweile hat es sich bewölkt, es fängt an zu regnen und bald stellt sich heraus, dass wir vormittags das Zelt so doof aufgestellt haben wie nie zuvor: binnen einer halben Stunde haben wir Wasser im Zelt. Angesichts dieses stümperhaften Zeltaufbaues wird mir erst richtig bewusst, wie müde wir heute morgen waren. Auf dem Campingplatz gibt es noch einen einzigen freien Wohnwagen zu mieten und zwar den des Personals, der aber seit letztem Sommer nicht mehr benutzt war und sich im dem entsprechenden Zustand befindet… ähnlich wie in Chevroux bauen wir unsere Habe bei strömenden Regen ab und siedeln um. Den Abend verbringen wir in der Snackbar des Campingplatzes, wobei wir auf das...äh...eingeschränkte kulinarische Angebot zurückgreifen. Irgendwie gibt's zwischendrin mal ein grosses Gelächter als uns der Unterschied zwischen der heute servierten, gerade mal halbwegs geniessbaren Mikrowellen-Fertig-Lasagne und dem zehn mal so teuren Abendmal vor genau einer Woche in Peney bewusst wird.

Wir lernen auf dieser Reise, dass man die Rechnung nicht ohne den Wirt machen kann, dass der Körper einfach sagt, wann es ihm reicht. Es gelingt uns diesmal viel besser als jemals zuvor, mit unserer Leistungsfähigkeit im Einklang zu leben. Ausserdem bin ich nicht so gierig auf ein schnelles Vorankommen und Weiterreisen - diesmal ist wirklich der Weg das Ziel! Es ist eine Reise der Kontraste, auf der wir ganz selbstverständlich das wahrnehmen, was sich uns anbietet, egal ob billig oder teuer, primitiv oder luxuriös.

Von der Snackbar haben wir jedenfalls einen weiten Ausblick über das Tal der Drôme mit einem ständig wechselnden Farbenspiel, denn Regenschauer und Sonnenschein wechseln sich ab. Ähnlich wie die Bauwerke in diesem Tal: im Hintergrund der Wehrturm (Donjon) von Crest aus dem 12. Jahrhundert, im Vordergrund die TGV-Trasse aus dem ausgehenden 20. Jahrhundert…

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    Noch etwas frisch heute morgen...  
    ...doch die Sonne kommt ja schon  
    Biker treffen Biker  
    ...  
    Ausblick über das Tal der Drôme  
    Es muss nicht immer Kaviar sein (Fastfood tut's machmal auch...)!  
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