…und kommen nach einem Spaziergang durch die Stadt zu dem Schluss, dass es ausgemachter Blödsinn und verschenkte Zeit ist, hier noch drei Tage abzusitzen, wo wir doch eigentlich nur mehr ein paar Meter vom Meer und von meinem Wunschziel entfernt sind: Aigues-Mortes, der Kreuzfahrerstadt aus dem Mittelalter...

Also los! Am Abend reservieren wir uns noch per ausliegenden Prospekt eine Bleibe in Aigues-Mortes und am Morgen rollen wir zur wirklich letzten Tagesetappe hinaus aus St. Gilles und tauchen in die ruhige Welt der Camargue ein. Mehr als mannshohes Schilf auf beiden Strassenseiten. Immer wieder mal ein kurzer Blick auf die Reisfelder. Kleinste Landstrasse. Wir sehen: Silberreiher, Schwarzmilane, Störche und Möwen. Zwei Stelzenläufer, die eine zeitlang neben uns her fliegen, als wollten sie uns begrüssen. Einmal einen und dann noch zwei Wiedehopfe und - für mich eine Sensation - eine Blauracke, einen krähen-grossen, blau-schillernden Vogel. Toll! Viele Pferde. Ganz das Klischee. Und ein paar Mal kommen wir an prachtvoll schwarzen Stieren vorbei (ein Verkehrsschild am Ortseingang von St. Gilles wies gestern auf mögliche "Stiere auf der Fahrbahn" hin - allerdings ohne Verhaltensmassregeln für Velofahrer... hm…). Unsere Bleibe entpuppt sich als Bungalow-Park etwas ausserhalb der Stadt, mit einem grossen Pool und einem tropisch anmutenden Garten. Schön.

 

Wir machen uns frisch, laden unser Gepäck ab und radeln die letzten zwei Kilometer auf denkbar schlechter Asphaltstrasse (aber reichlich deftigen Verkehr) der Stadt entgegen und dann liegt sie vor uns…die gewaltige Festungsmauer…Aigues-Mortes…Hochtourismus und Mittelalter…Fast Food und Gotik…Irgendwie passt das in meinen Augen sogar zusammen: waren die Kreuzritter nicht auch auf eine sonderbare Art und Weise Touristen, Durchreisende? Wenn auch mit einer fraglichen Intension? Damals, als wir dem Loiretal bis zum Atlantik folgten und schliesslich den Ozean erreichten, war ich regelrecht enttäuscht, dass sich keine wirkliche Begeisterung in mir einstellte und es so "normal" war. Aber heute bin ich begeistert und wirklich von den Socken! Yippie, wir haben's geschafft, wir sind von Zürich bis hierher geradelt! Irgendwie ist diese Stadt hier noch der Paukenschlag, der diese überaus gelungene Reise abrundet! Und noch etwa gelingt: hier gibt es einen Bahnhof und der freundliche Herr hinter dem Schalter organisiert uns eine prima Rückreise! Von hier bis Nimes mit mit dem Vorortzug, dann umsteigen in den TGV (es ist der einzige TGV, bei dem Fahrradmitnahme möglich ist) bis nach Genf, von dort aus dann nach Zürich. Das ist viel weniger umständlich als befürchtet.

Abends, nach dem Essen, sehen wir die ersten Fledermäuse dieses Jahres bzw. Urlaubs, und zwar dutzendweise…

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    In der Camargue...  
    ...ist man nicht immer alleine  
    Hinein...  
    ...in die alte Kreuzfahrerstadt...  
    ...mit ihren...  
    ...dicken Mauern  
    Geschafft!  
    Die beiden waren auch gut!  
    Gegen den Bungalow-Park...  
    ...lässt sich beim besten Willen nichts sagen...  
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