Um fünf Uhr klingelt
der Wecker. Draussen ist es noch dunkel und sternenklar. Es
folgt das übliche Prozedere: Die Luken dicht gemacht und
hinunter zum Hauptbahnhof geradelt. Eigentlich hatte ich ein
richtiges Veloabteil im TGV erwartet, zumal man uns beim Ticketverkauf
erzählte, es würden auf der Strecke Zürich-Paris
andere Waggons eingesetzt als auf den anderen TGV-Strecken.
Also - in meiner Fantasie - solche mit Haken für die Räder
und dergleichen. Doch man hat lediglich vier Sitze längs
so angeordnet, dass sie sich bei Bedarf umklappen lassen und
somit Platz für (ja, für wieviel eigentlich?) Velos
bieten. Egal, wir mussten eh reservieren und haben unsere Plätze
auf sicher.
Das schwarze Flux ist kaum länger als Margrits Rad und
alles passt sehr gut. Unsere Sitzplätze sind gleich nebenan
und so haben wir die ganze Chose schön im Blick. Wenn das
so einfach geht! Mitten ins Herz Frankreichs in einem Rutsch!
Doof ist nur die Fensteranordnung in diesem Abteil: zwei Längsschlitze
sind so unglücklich platziert, dass ich entweder aufstehen
oder mich fast flach hinlegen muss, um das draussen im TGV-Tempo
vorbei ziehende Land zu sehen.
Kurz vor Mittag kommen wir in Paris Gare de L'Est an, sind
erst mal ganz benommen vom "Kulturschock" und machen
uns auf dem Weg zum Gare Montparnasse, von wo aus unser Zug
nach Chartres abfährt.
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Schon irgendwie cool, so durch
Paris zu radeln. Heute ist ausserdem ein Feiertag und
die Strassen und Boulevards der grossen Stadt sind erstaunlich
ruhig. Auch am Centre Pompidou klicken die Kameras erstaunlich
weniger Touristen. An der Seine jedoch ist die Hölle
los. Vor der Notre Dame herrscht Gedränge, man steht
Schlange für die Mutter aller Kirchen. Auf der anderen
Flussseite wird's umso ruhiger, je weiter man sich von
den absoluten Touristenmagneten der Stadt entfernt. Bald
sitzen wir im Zug nach Chartres, in einem dieser modernen
TER-Züge, bei denen man die Räder ebenerdig
hinein schieben kann.
In Chartres empfängt uns strahlender Sonnenschein
- kombiniert mit erstaunlich hohen Temperaturen: Sage
und schreibe 38 Grad zeigen die Thermometer hier an |
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Dementsprechend "klimatisiert"
ist dann auch unser Hotelzimmer. Da ist nicht mehr viel los
mit uns an diesem Nachmittag: noch die Kathedrale besichtigen
und anschliessend im Schatten vor einem Bistro versacken und
das Treiben ringsum betrachten. Halt alle Fünfe gerade
sein lassen, denn Zugfahren macht auch müde und die Nacht
war dann doch kürzer als normal. Chartres ist ein bekannter
Pilgerort (der Jakobsweg geht hier durch oder beginnt hier)
und heute, an Maria Himmelfahrt, findet nachmittags noch eine
Prozession statt. Wie all die religiösen Würdenträger
bei dieser Hitze unter ihrem reichhaltigen Ornat schwitzen mögen?
Ist schon ein beeindruckendes Bauwerk, die Kathedrale hier.
Frühgotik, noch nicht so elegant wie die späteren
Döme, dafür aber wuchtiger und archaischer wirkend.
Der Nachmittag geht in den Abend über, zwei Gitarristen
spielen soften instrumentalen Jazz vor einer der vielen Bars
und plötzlich ist der Vorplatz der Kathedrale in das
"Mon
Oncle"-Flair von Jacques Tati getaucht. Es wird auf
dieser Reise nicht die einzige Reminiszenz an Tati bleiben.
Anreise und Hitze machen uns müde und wir verziehen uns
bald nach Einbruch der Dunkelheit in unser Zimmer, immer noch
in der Hoffnung, angesichts dieser Temperaturen wenigstens
etwas Schlaf zu finden
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