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| Es tröpfelt. Oder
vielleicht ist es auch nur ein gefiederter Freund, der von Inkontinenz geplagt
ist, wer weiss? Jedenfalls sind die zwei Tropfen von oben nicht der eigentliche
Grund, warum wir uns heute Morgen die Regenklamotten anziehen. Es sind vielmehr
die Temperaturen, die sich tief im Keller befinden. Beim Aufsatteln unserer
Streitrösser neben dem Frühstücksraum ernten wir neugierige
Blicke in die Jahre gekommener Touristen (ok, zwei junge amerikanische Paare
sind auch dabei, die kennen sowas natürlich überhaupt nicht),
die uns, die bepackten Falträder, das Wetter und obendrein ihre eigenen
nagelneu glitzernden Karossen deckungsgleich zu bringen versuchen. Nun,
bequemer ist es schon, wenn man Pferdestärken unter und eine Fahrgastzelle
um sich herum hat. Das merkt man spätestens dann, wenn einen der Wind
wieder fest im Griff hat. Dazu vielleicht noch der rauhe Asphalt, der oft
Frankreichs (Neben-)Strassen ziert und halt die topografische Gegebenheiten.
Doch ausgesucht haben wir es uns ja selber und es gibt definitiv keinen
Grund zum Jammern. Es wird nämlich eine schöne und abwechslungsreiche
Etappe werden.
Auch heute radeln wir nach Südwesten, um irgendwann, wahrscheinlich morgen schon, das Loiretal zu erreichen. Die Landschaft ähnelt der gestrigen. Rechts wird der Blick erneut von den Hügeln der Côte-d'Or begrenzt, links darf er weit, heute sogar sehr weit nach Osten schweifen. Am Horizont zeichnet sich ein Gebirgszug ab, wahrscheinlich der Jura. Bei Pommard treffen wir auf Radwegweiser und folgen der Beschilderung, die uns zwar über kleine Wege und so gut wie autofreie Strässlein leitet, aber auch ziemlich mit der Kirche ums Dorf herum führt. Sehenswert ist das schon, jedoch schöpft man schnell den Verdacht, dass möglichst auch den Radtouristen eine Weindégustation schmackhaft gemacht werden soll, weswegen man beispielsweise im Zickzack-Kurs durch die Ortschaften Puligny und Montrachet gelenkt wird (wovon letzteres auch noch halb oben auf dem Hang liegt und unnötig erklommen werden muss). Dafür sieht man natürlich auch was, das ist die andere Seite der Medaille. |
Wir kommen sehr langsam voran. Am späten Vormittag glaub ich nicht
mehr, dass wir unser Etappenziel Montceau-les-Mines heute überhaupt
erreichen werden. Ausgeruht und mit dem Bewusstsein gut gegessen zu haben, machen wir uns auf zum zweiten Teil der Tagesetappe. Eigentlich geht's von nun an immer am Kanal entlang. Mal auf kleiner Strasse mit wenig Verkehr, dann nochmals ein asphaltierter Treidelpfad. Bei Ecuisses muss man klettern und eine Hügelkette überwinden und die Autobahn über-, die TGV-Trasse dagegen unterqueren. Dann wartet ein grober Kiesweg auf uns, der um einen Teich herum führt, bevor man sich schliesslich auf der Einflugschneise nach Montceau-les-Mines befindet. Heute kommen wir im Le Konine unter, einem dieser typischen Business- und/oder Seminarhotels. Moderne Lobby, mittelmässige Zimmer, sehr gutes Abendessen. Tagsüber haben wir mehrmals Singvögel gehört, von denen
ich annehme, dass es Nachtigallen waren. Bin mir aber nicht ganz sicher.
Aber der Gedanke gefällt mir. |
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Weit schweift der Blick nach Osten | |||||
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Angenehm kleines Strässlein... | |||||
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...mitten durch den Weinanbau | |||||
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So baut man in Meursault... | |||||
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...aber auch so | |||||
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Weiter im Zickzack-Kurs
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... | |||||
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Angenehm asphaltiert und relativ windgeschützt am Canal du Centre entlang | |||||
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Die Landschaft hat sich verändert | |||||
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