La france a ses dimanches...ich muss an ein Lied der Les Negresses Vertes denken. Kennt die noch jemand? So eine südfranzösische Ska-Polka-Chanson-Kombo mit viel Esprit? Nicht? Heute wird jedenfalls gesungen. Und gezwitschert. Und tiriliert. Das ganze Orchester ist aufmarschiert und stimmt uns, oder sich, auf den Sonntag ein. Als wir auf der feiertäglich ruhigen D 974 gen Loire pilgern, begleitet uns der Chor der gefiederten Sänger lautstark und melodiös. Und wieder bilde ich mir ein, Nachtigallen herauszuhören. Erstaunlich, wie laut das aus dem Auwald tönt. Das hebt irgendwie auch gleich das eigene Lebensgefühl.

Als ob das nötig wäre. Heute rollt es sowieso optimal. Glatter Asphalt, ruhige Strasse, angenehme Temperaturen, und, man lasse sich das auf der Zunge zergehen: RRRRRRÜCKENWIIND! So verschwinden die Kilometer wie im Fluge unter den Reifen. Endlich pendelt sich auch wieder eine normale Reisegeschwindigkeit ein. Zur günstigen Windrichtung kommt noch die Tatsache, dass wir nun der Fliessrichtung des Kanals folgen. Es geht also tendenziell eher bergab. Irgendwo müssen wir gestern gegen Ende der Etappe die Wasserscheide bzw. den Scheitelpunkt des Kanals überschritten haben. Vor lauter Freude über unser flottes Vorankommen hole ich die Kamera nur ab und zu mal hervor, obwohl es eigentlich viel zu sehen und zu pixeln gäbe.
 

Und dann, als ich doch mal eines dieser netten Schleusenwärterhäuschen fotografieren möchte, gibt sie den Geist auf. Die Kamera meine ich, dieses dumme Ding. Quittiert einfach den Dienst. So mir nichts, dir nichts. Grad mal sechseinhalb Jahre ist das Ding alt. So am Anfang einer Reise ohne Fotoapparat dazustehen, ist natürlich, gelinde gesagt, etwas ungünstig. Bis auf weiteres wird jetzt einfach mal die Kamera des Mobiltelefons genutzt, mal sehen, wie die Fotos damit werden.

Jedenfalls hab ich darüber ganz vergessen, mir die Strecke bis nach Paray-le-Monial einzuprägen. Ich weiss nur noch, dass neben dem Kanal noch ein kleines Flüsschen, die Bourbince nämlich, friedlich vor sich hinplätschern, munter mäandern und Steilufer ausprägen darf, wie es bei uns vor vielen Menschenaltern wohl überall im Lande der Fall war.

Von Paray-le-Monial bis nach Digoin folgen wir wieder einem asphaltierten Kanalweg. In Digoin erreichen wir a) das erste Mal die Loire und kommen wir b) im Hôtel Les Diligences unter, wo c) ein Zimmer mit Balkon auf den schönen Innenhof und die fast direkte Lage am Fluss einen angenehmen Tagesausklang versprechen. Leider ist Petrus anderer Meinung, und so wird abends eben wegen eines Gewitters drinnen gegessen. Sehr gut übrigens.

 

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    Start in einen ruhigen Sonntagmorgen...  
           
    ...auf einer ruhigen Strasse (abgesehen vom Vogelkonzert)  
           
    Nebenher plätschert ein kleines Flüsschen  
           
    Erste Begegnung mit der Loire  
           
    Der Kanal wird über den Fluss geleitet  
           
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