Wenn Plan A nicht funktioniert, kommt eben Plan B zur Anwendung. So einfach ist das. Plan A beinhaltete ein genüssliches Weiterradeln an den Gestaden dieses Flusses, sich genauso träge wie die grau-braun-blauen Fluten an den Städten und Schlössern vorbei tragen zu lassen, und sich nach jeweils gut vierzig bis sechzig Kilometern in einem dieser Städte einzuquartieren und später am Tag dann zu einer Besichtigungstour aufzubrechen. Leider sind wir nicht die einzigen, die diese Absicht hegen. Alle Hotels in idealer Entfernung sind ausgebucht. Und auch in überlanger oder zu kurzer Etappendistanz ist nichts zu machen. Schuld daran ist einerseits das verlängerte Wochenende und die Nähe zu Paris, andererseits hat der Radtourismus hier deutlich zugenommen. Eine Radreise entlang der Loire haben inzwischen doch viele Reiseanbieter im Programm und so belegen Reisegruppen oft ganze Hotels. Als spontaner Individualreisender zieht man da halt oft den Kürzeren. Da erweist sich unsere Methode - tägliches Vorausbuchen einer Unterkunft per Telefon - halt schon auch als hilfreich. Immerhin weiss man dann, ob es in einer Gegend überhaupt noch freie Zimmer gibt oder nicht. In unserem Fall jetzt leider letzteres.

Aber eben, es gibt ja noch Plan B. Dieser sieht einen Trip quer durch das Wald- und Seengebiet der Sologne vor, einem Landstrich südlich von Orleans. Ein Städtchen in der richtigen Richtung und in Schlagdistanz ist Lamotte-Beuvron. Dort ist die Lage nicht so angespannt und an freien Hotelbetten herrscht kein Mangel. So stellt das Schicksal eben seine Weichen, und sogar der Wind ist mit uns und schiebt uns heute durch die Gegend. An diesem himmelblau sonnigen Morgen rollen wir aus Gien hinaus und sagen der Loire erstmal Adieu - wir werden uns erst in ein paar Tagen wiedersehen. Wir sind früh dran und müssen deswegen im nächsten Ort, Poilly-lez-Gien, erstmal noch ein paar Minuten auf das Öffnen des Supermarktes warten. Das tun wir gerne, denn man weiss nicht, ob man sich in den paar Ortschaften, durch die wir heute kommen werden, überhaupt verproviantieren kann.

 

Dann geht's los. Auf kleinen Strassen radeln wir schnurstracks nach Westen. Bocage-Landschaft mit Wiesen, Hecken und Baumgruppen, und dann Wald in allen Formen, von lichtdurchflutet bis hin zum dichten Urwald. Was muss es hier Wild geben! Schönes ruhiges und entspanntes Radeln ist das. Unsere ständigen Begleiter der letzten Tage, die weissen Charolais-Rinder, sind verschwunden. Dafür fetzt irgendwo ein Iltis oder Marder vor uns quer über die Strasse, das ein oder andere Reh grast am Waldesrand oder man hört einen Fasan.

Erst als uns in Lamotte-Beuvron die "Zivilsation" wieder hat, werden wir auch mit dem Autoverkehr konfrontiert. Und zwar in Form einer grossen Nationalstrasse, die hier in Nord-Südrichtung verläuft. Unser Hotel liegt zwar an dieser Strasse, doch alles "Privatleben" findet auf der der Strasse abgewandten Seite statt. So wartet ein grosszügiger Garten auf uns, in dem sich der Rest des Tages gut verbringen lässt. Wenn man den ganzen Vormittag durch die (relative) Wildnis geradelt ist, erfreut man sich so richtig an einer gepflegten grünen Rasendecke. Zuhause ist es gerade umgekehrt...

Das Abendessen hier ist eine Wucht. Ins Tagebuch hab ich nur "sehr raffiniert zubereitete Beilagen" notiert, ich weiss aber nicht mehr genau, was es war. Mit den Tagen vermischen sich auch die kulinarischen Höhepunkte und es bleibt im Nachhinein nur ein generelles "Mmmmh" zurück.

 

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    Erstmal Versorgung mit Proviant  
           
    Kornblumenblau...  
           
    Heute wartet ebenes, weites Land auf uns...  
           
    ...und Wald...  
           
    ...viel Wald  
       
    Das Hotel in Lamotte-Beuvron  
           
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