Das Ende unserer Reise rückt allmählich näher. Am Samstag müssen wir in Paris sein, am Sonntag fahren wir mit dem Zug zurück nach Zürich. Wie weit werden wir noch kommen? Bis Angers? Das sollte im Bereich des Möglichen liegen. Die drei noch verbleibenden Radltage können wir locker angehen lassen. Heute wollen wir nur bis Montsoreau fahren, dass wir beide sehr mögen. 2009 haben wir dort im Hotel le Bussy übernachtet und einen entspannten Nachmittag im Garten des Hotels verbracht. Die Ortschaft selber ist auch recht schmuck. Typisch die Felsenwohnungen und das Aussehen der Häuser durch die hier verwendeten Baumaterialien Tuffstein und Schiefer.

Es hat letzte Nacht geregnet und am Morgen hängen die Regenwolken noch am Himmel. Man zieht da ja immer mit gemischten Gefühlen los. Einerseits sind wir Regenfahrten mittlerweile wirklich gewöhnt, andererseits will dabei halt doch nicht so recht Stimmung aufkommen. Zumindest keine heitere. Es bleibt jedoch einstweilen trocken, und die ersten paar Kilometer radeln wir noch entlang des Indre, bis wir bei Bréhémont wieder auf die Loire stossen. Die ist hier natürlich ziemlich breit geworden, viel breiter als weiter oben in Gien.

In Bréhémont kann man vor einem Café am Fluss sitzen, und das gönnen wir uns heute auch, obwohl wir gerade erst losgezogen sind. Und es zahlt sich aus. Wir kommen mit Kanufahrern ins Gespräch, die heute noch bis nach Angers wollen, ein ebenfalls Rad fahrendes Paar aus Australien gesellt sich zu uns und ist ganz fasziniert von unseren Falträdern. Und, ganz wichtig, die Sonne kommt raus und vertreibt die Wolken. Dazu kommt aber leider auch wieder viel Wind, heute nochmals eine Spur heftiger als gestern.

Rigny-Ussé, das Märchenschloss, liegt auf dem Weg und natürlich pausieren wir hier nochmals. Plötzlich ändert sich das Wetter frappant. Eine Front zieht durch, und mit den Regenschauern frischt der Wind zum Sturm auf. War es vorher eher unangenehm, so wird es jetzt beängstigend. Immer wieder stoppt uns eine Bö fast völlig und man überlegt sich, ob die Bäume oder deren Äste den Wind aushalten. Wir bleiben auf der D 7 und kämpfen uns Meter für Meter voran. Besonders unheimlich wird es, als wir an der Nuklearanlage vorbei radeln, wo der Sturm den Rauch der Kühltürme waagerecht über die Strasse treibt und in der Anlage selber noch Lärm produziert.

 

Ein paar Kilometer weiter weht es uns dann fast von der Brücke, die bei Candes-St.-Martin über die Vienne führt. Die mündet hier in die Loire und beide Flüsse haben Schaumkronen auf den Wellen. Muss man auch mal gesehen haben. Immerhin sind wir jetzt schon an der Flamme Rouge und haben es gleich geschafft. Wie es wohl den Kanufahrern heute ergangen ist?

Unser heutiges Hotel hinterlässt einen sehr zweispältigen Eindruck, und es ist das einzige auf dieser Reise, dem wir ein eher ungünstiges Preis-/Leistungsverhältnis bescheinigen. Die Wahl fiel auf das La Marine de Loire, da es mit einem Schwimmbad/Spa wirbt. Angesichts der Wettervorhersage schien uns das eine gute Sache zu sein, um eventuell den Nachmittag zu verplantschen. Leider ist die Benutzung dieses winzigen Schwimmbeckens nicht im Preis inbegriffen, sondern schlägt nochmals mit fünfundzwanzig Euro pro Person zu Buche. Da hält man sich dann doch lieber an die gute alte Badewanne. Eigentlich wäre das Haus ja ganz schnuckelig eingerichtet, vielleicht etwas übertrieben kitschig im Schwemmholz-Strandgut-Look. Auch der Garten ist schön und da liesse es sich schon aushalten. Nur ist abends ab acht Uhr niemand mehr an der Rezeption zu erreichen. Wer noch Lust auf einen Drink im Garten hat, muss halt die eingeschränkte Auswahl der Minibar plündern. Frühstück gibt's auch an einem Werktag erst um halb neun. Da findet man den aufgerufenen Zimmerpreis dann doch recht keck. Dass es auch anders geht, wird man morgen sehen.

Ich hab noch nie so recht verstanden, warum Restaurants alle am selben Wochentag ihren Ruhetag einschieben müssen. Das haben wir in der Vergangenheit schon öfters mal so erlebt und gerade heute trifft es uns besonders. In so einem kleinen Nest wie Montsoreau gibt's eh nicht soviel Gastronomie, und wenn die wenigen Lokale alle am selben Tag geschlossen haben, guckt man schon reichlich dumm aus der Wäsche. In einer Bar gibt man uns schliesslich den Geheimtipp des Tages: Das Resto auf dem Campingplatz hat jeden Tag offen. Und genau dort essen wir dann auch. Und zwar gar nicht mal schlecht. Ausserdem ist dort für Unterhaltung gesorgt. Gleich neben dem Restaurant ist der Pool und wir beobachten ein paar Jungs aus den Vereinigten Staaten, von denen erstaunlicherweise kein einziger ein Tattoo trägt. Ja gibt's sowas denn noch? Ebenfalls aus Übersee ist eine junge Familie mit zwei Kleinkindern, die hier ebenfalls mit Rädern unterwegs ist. Wie die das wohl logistisch auf die Reihe bekommen?

 

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  Bréhémont: Die Loire hat uns wieder  
           
    Die vier wollen heute noch bis Angers...  
           
    ...ob sie das bei diesem Gegenwind schaffen?  
           
    Auch für die Radler wird's beschwerlich  
           
    Anfahrt zum Schloss Rigny-Ussé  
       
    ...auch nach sovielen Loire-Reisen immer noch ein Hingucker  
       
    Das (fast schon) obligatorische Foto der Räder vor der Schlossmauer  
       
    Spaziergang in Montsoreau  
       
    Abends klart es auf und der Wind wird schwächer  
       
    Der Innenhof unseres Hotels...  
       
    ...und das "exklusive" Spa  
           
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