Mesnil-Saint-Père
   
Unser Blick wandert immer wieder zu den Ballspielern vor uns auf dem Strand, einer Gruppe junger Männer. Einer trägt eine knallgelbe Badehose, die stark mit seiner dunklen Hautfarbe kontrastiert. Da sieht man automatisch immer wieder hin, das Gelb wirkt wie ein Magnet. Optische Reize hin oder her, nicht alle Gedanken konzentrieren sich auf das Bild, ein Teil davon schwebt frei im Raum. So kommt mir, wie wir da so faul auf der Liegewiese am Lac d'Orient liegen und das Treiben ringsum beobachten, in den Sinn, dass ich erst im zarten Alter von fünfzehn Jahren Zugang zur (Schwimm-)Bad(e)kultur hatte, denn die Gegend, in der ich geboren und aufgewachsen bin, wies diesbezüglich eine eher unterentwickelte Infrastruktur auf. Irgendwann in den siebziger Jahren hat man schliesslich doch noch in meinem Heimatort ein Freibad gebaut und eröffnet, und seitdem sind Badefreuden für mich durchaus nicht unbedeutend, egal ob am Meer-, im Frei- oder im Thermalbad. So sinniert beziehungsweise träumt man vor sich hin, während man gleichzeitig aufpasst, dass einem der Wind das Trinkglas nicht umbläst. Denn heute ist es recht windig, ein Tag für die Segler und Windsurfer, die alles aus ihren Booten beziehungsweise Brettern herausholen wollen.
  Ausserdem ist nicht ganz soviel los, wie man es an einem Samstag im August an einem Badesee in der Nähe einer grösseren Stadt (in unserem Fall Troyes) erwarten würde. Das liegt wohl am Wetter. Vorgestern und gestern ist eine Regenfront durchgezogen und jetzt braucht die Sonne eben ihre Zeit, um die Temperaturen wieder auf sommerliches Niveau zu bringen. Der kühle Wind und die Wolken sind da nicht gerade hilfreich.

Und doch, für uns ist es ein angenehmer zweiter Etappenhalt. Gestern sind wir gemütlich nach Westen gefahren, haben Kilometer für Kilometer Abstand zwischen uns und unser Alltagsleben gebracht, uns nördlich von Besançon einquartiert und den Ferienbeginn mit einem Festmahl eingeläutet, was ab und zu auch mal sein muss.

Heute sind wir am Lac d'Orient, den wir dieses Frühjahr auf unserer Radreise zur Somme entdeckt hatten, untergekommen, und zwar an dessem östlichen Ufer. Vormittags haben wir uns vom Navi über kleine Landstrassen leiten lassen, durch die abwechslungsreichen Landschaften des Franche-Comté und der südlichen Champagne.

Fake News! Wir sind in Europa geblieben.
Stilleben mit Lieblingsfüller, Lieblingsbuch, Lieblingstagebuch und Lieblingskamera.
 
Landschaft zwischen Franche-Comté und Champagne.
Am Lac d'Orient.
Der gelbe Magnet.
Gar nicht soviel los am heutigen Samstag.
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