Von Wil nach Goldach
52 Km
     
Beim Frühstück klingt der gestrige Abend in der Wiler Altstadt noch nach. Besonders die Clique um die junge Braut und deren Verhalten sorgt auch heute am Morgen noch für Amüsement. Ein Blick nach draussen: Trübes Wetter, wird wohl Hochnebel sein. Wir rollen gemütlich aus der Stadt. Auf einem Waldweg am Stadtrand schieben wir die Räder den Hang hinab, bis wir das Tal der Thur erreichen. Wir folgen heute a) eine Weile lang der Thur und b) immer noch der Mittellandroute, und zwar bis zum Bodensee.

Eine Weile lange geht es kerzengerade an der Thur und an der parallel geführten Autobahn entlang, was neben der uninteressanten Streckenführung auch mit dementsprechender Geräuschkulisse verbunden ist. Irgendwann trennen sich Autobahn, Thur und Radweg. Wir verlassen das Flusstal und rollen nach Bischofszell, wechseln ins Tal der Sitter. Am Talrand wartet eine steile Rampe auf uns, die es zu erklimmen gilt. Vor uns sehen wir ein Pferdegespann. Ein einzelnes Pferd muss sich da abmühen, um die ganze Fuhre den Hang hinauf zu ziehen. Aus der Entfernung betrachtet, sieht das alles mühsam bis unmöglich aus, doch so langsam ist das Ross gar nicht. Ein einziges PS reicht da anscheinend. Wer braucht da über zweihundert?

Oben angekommen wartet eine recht flache beziehungsweise leicht wellige Landschaft auf uns. Wiesen, Obstanbau, kleine, gepflegte Dörfer. Wieder eine Abfahrt in eine schmucke Ortschaft mit einem Schloss, das ist Hagenwil. Auf der anderen Seite noch den Hügel hinauf, und dann im Freilauf hinab zum Bodensee. Die Sonne kommt langsam durch, der Blick in die Ferne ist jedoch noch getrübt. Ein paar Minuten später treffen wir in Salmsach auf den Bodenseeradweg.
  Hier streiten sich zwei Männer lautstark neben einer Strassenkreuzung. Die halten anscheinend generell nicht viel voneinander und werfen sich gegenseitig so einiges an den Kopf, kommen aber nicht recht weiter mit ihrem Konflikt. Prügeln tun sie sich allerdings nicht. Jedenfalls nicht, solange wir, eine Ampelphase lang, in der Nähe sind. Auch ein Zeitvertreib. Nun, wer's mag...

Plötzlich Sommer. Und Hochtourismus. Die Sonne hat die letzten Nebelfetzen vertrieben, es ist gleich spürbar wärmer,  und hier am Bodensee ist Gott und die Welt unterwegs - zu Fuss, auf Fahr- und Motorrädern, Autos und Inline Skatern. Etwas benommen ob all des Trubels pausieren wir in einem Restaurant mit Seezugang und strecken die Beine kurz in die Fluten.

Eine Weile später rauschen wir in Arbon in eine Oldtimer-Veranstaltung. Alte Flugzeuge, Traktoren, Autos, Mopeds - you name it. Wir sind zu müde, um das zu goutieren. Zu viele Leute, zu lautes Geknatter, zu viel Abgasgestank. Wir bahnen uns schiebender Weise einen Weg durch den Besucherstrom und sind dann schon fast auf der Zielgeraden. Es gilt eigentlich nur noch unser Hotel zu finden. Goldach erstreckt sich vom See bis halbwegs den Rohrschacher Berg hinauf. Nachdem eine Auskunft gebende Passantin den Weg zwar beschreiben kann, jedoch bezweifelt, ob wir ohne E-Bike überhaupt zum Hotel hinauf kommen, machen wir uns bang auf die letzten paar Meter dieses Tages. Doch siehe da, unsere Unterkunft liegt lediglich etwas erhöht über dem See, und das schaffen wir auch ohne Motor. Die Leute trauen sich heute anscheinend überhaupt nichts mehr zu.
   
Kerzengerade...  
...der Thur entlang.
Hochnebel im Tal der Sitter.
Das Schloss in Hagenwil.    
Und wieder den Hang hinauf.
Auch über dem Bodensee liegt noch Hochnebel...
...der sich bald auflöst.
Pause in Arbon.
Wie hoch dort oben über dem See liegt wohl unser Hotel?
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