Das mit der offenen Rechnung existiert lediglich in den Windungen meines Denkapparates. Und hat natürlich eine Vorgeschichte. Die bei meinem allerersten Frankreichbesuch als kleiner Bub beginnt. Damals wollte mein Vater die Stätten des Ersten Weltkrieges besichtigen, vor allen Dingen Verdun und das Fort Douaumont. Für mich als Kind war das irgendwie eine recht düstere Erfahrung, die mich lange beschäftigt hat. Frankreich schied deswegen lange für mich als Reiseziel aus. Erst anlässlich eines Bretagnetrips zu Studentenzeiten mochte ich wieder einen Fuss in dieses Land setzen, das ich heute so gerne mag. Bei dieser Studentenreise fuhr ich mit einem Freund von Jugendherberge zu Jugendherberge, und eine Station war eben St. Mihiel. Und auch diese Erfahrung war keineswegs heiter: Die Jugendherberge war dunkel und unheimlich, ein riesiger Schlafsaal mit uns beiden als einzigen Gästen. Am nächsten Morgen machten wir uns schnell auf und davon, fuhren im Eiltempo gen Westen, dem Meer entgegen. Wo sich im Laufe jener Reise allmählich meine Einstellung diesem Land gegenüber änderte, bis es zu meiner Lieblingsdestination wurde.

Das zweite Mal waren wir 2015 kurz in St. Mihiel, machten eine kleine Pause und besichtigten bei Regenwetter die Kirche. Auch bei diesem Trip war die Stimmung alles andere als fröhlich - das graue Regenwetter, die ebenfalls grauen Gebäude, die heruntergekommene Kirche mit den von Salpeter durchtränkten Wänden, alles nicht gerade anheimelnd.
  Mit dem Gefühl, dieser Ortschaft irgendwie nicht gerecht zu werden, rollen wir von Hattonchâtel aus nach St. Mihiel, suchen uns einen Parkplatz und laufen durch die Strassen. Heute sieht alles ein wenig freundlicher aus. Die Fassaden der Häuser leuchten in der Vormittagssonne, die Strassen sind belebt, am Gebäudekomplex der Kirche ist man mit Renovationsarbeiten beschäftigt. Damit bin ich mit mir selber quitt...

Es ist noch zu früh, um wieder ins Hotel zu fahren. So besuchen wir noch Commercy, ein Städtchen, das etwa 20 Kilometer südlich von St. Mihiel liegt. Da erwartet uns - ähnlich wie in Nancy - wieder eine Schlossanlage von Stanislas, dem Herzog Lothringens. Nur ist diese hier nicht so prachtvoll. Und der Vorplatz wurde zum Parkplatz umfunktioniert.

Es ist Mittag geworden, und wir fallen hungrig in das direkt neben dem Schloss liegende Restaurant ein. Die Bedienung charmant, das Essen gut, das Ambiente im Stil der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Passt! Draussen bugsiert ein LKW-Fahrer sein Fahrzeug durch die freigebliebene Gasse der parkenden Autos. Mit dem Anhänger und dem zu fahrenden Kreisbogen ein schier unmöglich Ding. Eine Weile lang rangiert er vor und zurück und wir warten fast darauf, dass er eines der parkenden Autos touchiert. Erst als jemand aus dem Bistro nebenan die grossen Blumentöpfe auf der Terrasse entfernt, gelingt es ihm, mit dem Truck das  Parkplatzgelände zu verlassen.
In St. Mihiel und dann...
...in Commercy...
...wo Stanislas, Herzog Lothringens, auch ein Schloss sein Eigen nannte...
Mittags ist nicht viel los in Commercy...
...man sitzt wohl zu Tisch...
 
 
 
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