Heute morgen nehmen wir erstmal unser Frühstück in einem der Lokale auf dem Alameda de Hércules zu uns. Während wir so mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt sind und die noch milde Morgensonne geniessen, laufen immer mehr Leute in spanischer Tracht an uns vorbei: Die Herren mit dem typisch flachen Hut und der kurz geschnittenen Jacke, die Frauen in Flamencokleidern und einer Blume im Haar. Nach ein paar Minuten dann näher kommende Blasmusik, und schliesslich eine Prozession. Geschmückte Pferde und Rinder, ein silberner Schrein wird gezogen, Reiter in spanischer Tracht. Nach kurzer Zeit ist der Spuk wieder vorbei und es kehrt Ruhe ein. Des Rätsels Lösung: Jetzt, um Pfingsten herum, findet in El Rocio, etwa achtzig Kilometer von Sevilla entfernt, eine Wallfahrt statt. Und der Pilgerzug, den wir soeben gesehen haben, ist auf dem Weg dorthin. Plötzlich zeigt diese so moderne wirkende Stadt eine ganz traditionelle Seite.

Wir werden zwei Tage in Sevilla bleiben. Zeit genug, sich treiben zu lassen und gemütlich einen Fuss vor den anderen zu setzen. Doch man muss auch ein bisserl was arbeiten. Arbeiten im Sinne von organisieren. Die Reise soll ja auch noch weitergehen. Und zwar ins Landesinnere, in die Provinz Extremadura. Dort gibt es eine Stadt, auf die wir neugierig sind: Cáceres. Es gibt dort keinen Bahnanschluss, aber man kann mit dem Bus dorthin gelangen. So machen wir uns nach dem Frühstück auf den Weg zum Busbahnhof und kaufen zwei Tickets nach Cáceres. Nach der Pflicht dann die Kür: Wir lustwandeln am Flussufer gen Süden, beobachten die Kajakfahrer auf dem Guadalquivir, betrachten die weissen Häuser am anderen Flussufer und die schmiedeeiserne Puente de Triana, laufen an der Stierkampfarena vorbei und landen wieder auf der Prachtstrasse, der Avenida de la Constitución. Der Mensch wird träge bei diesen Temperaturen. Hab ich schon geschrieben, wiederhole es aber nochmals. Hier in Sevilla ist es zwar etwas kühler als in Córdoba. Trotzdem. Man ist das einfach nicht gewöhnt. Deswegen, man ahnt es schon, gibt es nach dem Mittagessen eine Siesta.

Der späte Nachmittag sieht uns erstmal einen Kaffee neben dem Metropol Parasol trinken, einer gigantischen Überdachung aus Holz. Da des Spanischen unkundig, haben wir erst zuhause darüber nachgelesen. Das Bauwerk hat wohl für einige Kontroversen gesorgt. Versteht man. Uns gefällt es. Später zieht es uns wieder auf die Avenida de la Constitución, wo wir den Nachmittag in den Abend übergehen lassen. Bei Amorino gönnen wir uns leckeres Fruchteis, dass die Eisverkäuferin kunstvoll zu einer Blume aufschichtet, und ein paar Strassen weiter gibt es - natürlich - eine Flamencodarbietung von Strassenkünstlern. Etwas weiter spielt eine Blaskapelle alle möglichen Evergreens: "Hey Jude", "Spiel mir das Lied vom Tod" und dergleichen. So soll es sein...
 
Der Tag in Farbe
 
Die Puente del Cristo de la Expiración el Cachorro...
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...und die Puente de Triana.
Blick ans andere Ufer.
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Die Stierkampfarena...
...aber man muss ja auch nicht alles gesehen haben...
Der Metropol Parasol...
...der Architekt hatte Fantasie...
 
 
 
 
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