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Noch eine kleine Episode zu den beiden Ruhetagen: der Platz in Murs ist sehr weitläufig und in der Vorsaison kaum besucht. Die Parzellen sind sehr geräumig, es gab einfach seeeeehr viel Platz zwischen den Übernachtungsgästen. Am Sonntag kam eine holländische Familie (es waren fast alle Campingplätze in Frankreich fest in holländischer Hand und übrigens habe ich überhaupt nichts gegen dieses Volk aus dem Norden!) mit zwei kleinen, quengeligen Babies und baute ihr Zelt just neben unserer Parzelle auf, keine drei Meter von unserem Zelt entfernt. Überall ringsum war alles frei und man hätte wirklich viel Abstand einhalten können! Der Campingplatz war wirklich fast leer! Was geht in einem Menschen vor, wenn er sich dann trotzdem so nah an jemand anderen heranquetscht? Ist es heimeliger? Gemütlicher? Wie erwartet schliefen die Babies natürlich NICHT durch und Zeltwände sind hellhörig Die Leute waren zwar recht nett und entschuldigten sich ein paar Mal wegen der nächtlichen Lärmbelästigung, aber man fragt sich natürlich. Es ist gefährlich, zwei Ruhetage in angenehmer Umgebung am Pool zu verbringen - man wird behäbig, träge, faul und wenn die Temperaturen jenseits der 30 Grad-Grenze liegen, könnte man eigentlich weiter so vor sich hin dösen und sich treiben lassen. Genau betrachtet spräche nichts dagegen und genug Potenzial zum Faulsein ist bei mir ohnehin vorhanden. Aber die Ferne! Sie ruft! Und wie! Das Gewitter heute Nacht hat uns auf einen bedeckten Himmel und niedrigere Temperaturen hoffen lassen, aber nichts da! Blauer Himmel, wohin man auch blickt! Wie sich die Zeiten doch ändern: vor einer Woche haben wir nichts so sehr ersehnt, wie Sonnenschein und Wärme, und jetzt passt es uns auch nicht - wir sind ein sonderbares Pack! Nun, heute gibt's jedenfalls eine Hitzeschlacht! Wir fädeln uns in die D992 ein, queren den Fluss und einen Nebenarm desselben und sind dann auf dem Weg zum Städtchen Aoste und dann nach Les Abrets sowohl mit relativ starkem Lastwagen-Verkehr, als auch mit dem steilsten und längsten Anstieg der bisherigen Reise konfrontiert. Danach finden wir ein ruhiges Strässlein, das uns in beständigem Auf und Ab durch eine wellige Landschaft geleitet. |
Für kurze Zeit wähne ich mich im Loiretal: Herrenhäuser oder kleine Schlösser, mit Rundtürmen und grau-blauen Schieferdächern hinter grossen Bäumen, zudem gibt es hier diese typische Bocage-Landschaft Mittelfrankreichs. Wiesen und Weideland, von Hecken begrenzt und von Buschwerk gesäumt. Feldraine dürfen hier wild sein und alles Mögliche darf durcheinanderwachsen und -wuchern. Doch dann grüsst eine romanische Kirche von einem Hügel herab und die Loiretal-Fantasie löst sich auf wie eine Fata Morgana. Als wir den Berg zum Örtchen Châbons hinaufstrampeln und, oben angekommen, ausser Atem und von der Hitze wie gelähmt, mit einer neuen Steigung bis zum nächsten Ort überrascht werden, sind wir der Meinung, dass es bis jetzt die anstrengendste Tagesetappe ist. Doch nachdem wir auch noch diesen Hügel erklommen haben, geht es rasant abwärts und wir erreichen ein Ebene, die Plaine de Bièvre heisst. Nun werden uns zwanzig Kilometer flache bzw. leicht geneigte Strasse geschenkt, gekrönt mit einem guten Asphaltbelag und kaum Verkehr. Es rollt dahin, dass es eine wahre Freude ist! Ein Blick nach links zeigt eine schneebedeckte Bergkette weit weit weg am Horizont, doch die Temperaturanzeige an einer Tankstelle hier zeigt 35 Grad an. Im Städtchen La Côte-St. André gibt's noch etwas dichteren Stadtverkehr (aber auch einen Supermarkt), aber dann erreichen wir den Campingplatz in Faramans und schlagen unser Zelt im Schatten einer grossen Eiche auf. Hier macht sich allmählich ein Wechsel im Aussehen der Gebäude bemerkbar: die Häuser fangen langsam an, typisch süd-französisch auszusehen, haben orange-beige, helle Wände und relativ flache Dächer. Ausserdem weiss ich jetzt, warum die Pappel im englischen Sprachgebrauch nicht nur "Poplar", sondern auch "Cottonwood" heisst, denn hier ist alles übersäht vom Samen dieses Baumes, der wie Baumwolle aussieht, und wenn man gen Himmel blickt, meint man, Frau Holle schüttelt gerade ihre Bettwäsche aus. |
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Heute begleitet uns dieses Panorama fast den ganzen Tag | |||||
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Heiss ist es geworden | |||||
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