Der Wind lässt die Unterseite aller Blätter an Bäumen und Büschen hell aufleuchten, besonders intensiv bei den Olivenbäumen. Das ausgebleichte, fast weiss erscheinende Gras wiegt sich im Wind und es ist kühl und klar. Heute hat sich der Sturm wieder in eine steife Brise zurück verwandelt und man kann wieder radeln. Es gilt nun, einen möglichst ruhigen Weg durch das Gewirr der grossen Verkehrsachsen zwischen den Städten Avignon, Orange und Arles zu finden. Lange begleitet uns auch heute der Bergkegel des Mont Ventoux zu unserer linken und immer wieder gibt es weite Panorama-Blicke über dieses fruchtbare Land. Als wir bei Roguemaure die Rhône queren, ändert sich das Landschaftsbild: während man drüben mit einiger Fantasie an den Ngorongoro-Krater oder die Massai-Mara denken konnte, meint man hier eher in einem Karl-May-Film geraten zu sein. Naja, vielleicht übertreibe ich ein bisschen, denn der ewige Mistral verursacht wirre Gedanken. Kann mir schon vorstellen, dass Van Gogh hier herunten langsam ein bisschen durchgedreht hat. Der Wind und die Hitze und das grelle Licht. Mir ist bewusst, dass wir hier durch klassisches Malerland radeln. Wer hat hier nicht alles gearbeitet?

Heute rollt es hervorragend - dank Rückenwind und der relativ moderaten Temperaturen. Trotzdem sind die letzten zehn Kilometer heute sehr stressig, weil wir auf der vielbefahrenen N100 radeln müssen. Und da rollt er, der Schwerverkehr! Wenn ich mir vorstelle, wir hätten die ganze Zeit über damit umgehen müssen, wenn wir im Rhônetal geblieben wären! Es war schon richtig, die vielen Steigungen in Kauf zu nehmen und dafür eine ruhige Wegführung abseits der grossen Strassen zu bekommen.

 

Kurz vor der Pont du Gard finden wir ein kleines Hotel und checken ein. Den römischen Aquaedukt haben wir noch nie gesehen und er wird eine der wenigen Sehenswürdigkeiten sein, die wir uns auf dieser Reise "gönnen". Denn dadurch dass sich die meisten architektonischen oder kulturellen Highlights in den grösseren Städten befinden, kommen wir kaum damit in Berührung. Nun als die Pont du Gard. Vorgestern trafen wir zwei Radler, die hier von Touristennepp, Unmengen von Reisebussen und totaler Abzocke sprachen. Ausserdem käme man gar nicht bis an die Brücke heran und sähe so gut wie gar nichts. Wir versuchen es trotzdem und sind aus reinem Zufall auf der "richtigen" Seite, können bequem bis an das Bauwerk heran, hinauf und unten durch und es sind abends um 18 Uhr nur eine Handvoll Touristen da, das Gros ist wohl schon längst wieder abgereist. Sehr schön, das alles… ausserdem gibt es hier noch ein sehenswerte Flusslandschaft!

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    Der Mont Ventoux begleitet uns heute eine Weile  
    Nach dem Queren der Rhône wird's Zeit für eine Pause  
    ...auf der anderen Flussseite sieht's so aus  
    Das sollte man sich...  
    ...schon mal anschauen  
    Auch das Flusstal...  
    ...macht was her  
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