Von Lindau nach Meersburg
45 Km
     
Im Gegensatz zu früheren Unternehmungen dieser Art liegt der jetzigen Reise kein ausgearbeitetes Konzept zu Grunde. Der Gedanke dahinter: Sich möglichst treiben zu lassen und spontanen Regungen Raum zu geben. Eine grobe Planung, die man als Leitlinie betrachten könnte, gab es im Vorfeld natürlich schon. So hatte ich die Idee, von Lindau aus mit dem Zug in Richtung München zu reisen, um von dort aus nach Norden zu radeln - durch die Holledau - anschliessend vielleicht die Naab oder den Regen entlang. Doch als wir heute bei strahlend schönem Sommerwetter am Frühstückstisch sitzen, steht uns der Sinn überhaupt nicht nach einer Zugfahrt. Das Wetter soll sich gegen Ende der Woche verschlechtern, da wäre es angesagt, den heutigen Tag lieber zum Radfahren zu nutzen. Man könnte schliesslich auch dem Bodensee beziehungsweise den ihm begleitenden Radweg noch eine Weile treu bleiben. Warum nicht bis Friedrichshafen radeln und von dort aus dann nach Ravensburg und weiter ins Donautal? Und dann mal weiter sehen?

So erstehen wir in Lindau noch Kartenmaterial für die Gegenden vom See bis ins Donautal und rollen aus der Stadt. Und machen gleich wieder einen Fotostopp, um das schnuckelige mintgrüne Badehäuschen in der Nähe der Bahnlinie zu fotografieren, das ich so mag. Wasserburg, Nonnenhorn, Kressbronn, das Schloss Montfort in Langenargen. Der See schimmert ab und zu  blau zu uns herüber. Meist jedoch fahren wir durch Siedlungen und dürfen die gepflegten Anwesen der Anwohner bewundern.
  Der See glitzert in der Vormittagssonne, die Sonne ist recht warm, sogar windstill ist es im Augenblick. Während wir das geniessen entsteht eine neue Idee: Man könnte doch in Meersburg anrufen. In "unserem" Hotel, in dem wir im Spätherbst gerne mal für ein Wochenende einkehren, nach einem freien Zimmer nachfragen, und abhängig von der Verfügbarkeit noch den gesamten heutigen Tag in dieser Dolce Vita-Stimmung verbringen, anstatt schon jetzt ins Hinterland zu radeln. Und tatsächlich, in Meersburg hat man wirklich noch ein Zimmer für uns frei. Und so bekommt der heutige Etappentag sein endgültiges Gesicht.

Bei aller guten Laune haben wir nur eines nicht in Betracht gezogen: Der Bodenseeradweg zwischen Friedrichshafen und Meersburg ist bis etwa Hagnau recht unangenehm zu fahren, da er an der B31 entlang geführt wird. Und da herrscht heute Hochbetrieb mit den üblichen Begleiterscheinungen, also Verkehrslärm allererster Güte. Freude macht das nicht wirklich. Und Hagnau, wo der Radweg wieder auf den See trifft, quillt vor Touristen nur so über. Unser Hotel in Meersburg liegt zum guten Glück etwas ausserhalb des Stadtzentrums, so dass wir den Rummel, der wohl auch in Meersburg statt findet, gar nicht gross mitbekommen. Die Fahrgastschiffe auf dem See sind jedenfalls alle brechend voll, wie wir vom Balkon aus sehen können.
   
Liebevoll gepflegtes Badehäuschen.  
Blick zurück auf die Lindauer Insel und den See.
Schloss Montfort.
Detail eines Springbrunnens in Friedrichshafen.
Bei Immenstaad.
Weinberg kurz vor Meersburg.
 
Dolce Vita in Meersburg.
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