Von Aulendorf nach Ehingen
62 Km
     
Die Regensachen. Genau deswegen hat man sie dabei (und hofft insgeheim doch, dass man sie nicht brauchen wird). Heute kommen sie das erste Mal zum Einsatz. Bei leichtem Regen rollen wir hinaus in die Felder und Fluren und peilen erstmal Bad Schussenried an. Ein Spaziergänger, mit dem wir ins Gespräch kommen, erkärt uns eine Alternativroute zum Federsee, dem nächsten Programmpunkt auf unserer heutigen Etappe. Vorher aber sollten wir bitteschön noch der "schönsten Dorfkirche der Welt" in Steinhausen einen Besuch abstatten, rät uns der Beflissene.

Nun, die schönste Dorfkirche der Welt ist wirklich ein opulenter Bau. Barockig wie halt Barockkirchen so sind. Und man geht hier mit der Zeit: Will man eine Kerze spenden, muss man keine schnöde Wachskerze mehr anzünden. Nein, hier gibt es elektrische Kerzen, die je nach Obulus, verschieden lange leuchten. Da staunt man nicht schlecht. Ob man im Zuge der Digitalisierung und der Entwicklung der künstlichen Intelligenz bald Geistliche durch Roboter ersetzen wird? Das gibt beim Weiterfahren Gedankenfutter.

Mittlerweile ist es zwar trocken geworden, doch eine dunkle Wolkenfront begleitet uns, als wir am Federsee entlang radeln. Es geht immer dem Bussen zu, dem heiligen Berg der Schwaben. Ab und zu benötigen wir die Regensachen, doch ergiebig sind die Niederschläge nicht. Dabei würde man das den Leuten hier gönnen, schliesslich hat das Land hier schon länger keinen Regen mehr gesehen.

Unsere Route führt uns halb den Bussen hinauf, wo wir natürlich wieder einen weiten Blick über die Gegend abholen dürfen. Dann folgt eine lange Abfahrt hinunter ins Donautal, wo uns zudem noch der Wind unter die Arme greift.
  So sind wir im Nu in Rottenacker und treffen auf den Donauradweg. Und auf eine Gruppe junger Männer, die einen mit einem Bierfass beladenen Wagen mit sich ziehen und nicht mehr ganz nüchtern wirken. Die wähnen sich eigentlich ganz woanders und scheinen schon eine ganze Weile lang, beziehungsweise eigentlich ganz grundsätzlich, in die falsche Richtung gelaufen zu sein. Ich frage sie spasseshalber, ob sie sich denn wirklich ohne Navi hier in die Wildnis getraut hätten, und prompt scheine ich den Nagel auf den Kopf getroffen zu haben. Heute ist Vatertag, da stösst man öfters mal auf solche Wandervögel. Auch in einer Gastwirtschaft kurz vor Ehingen, wo wir nochmals pausieren, treffen wir auf eine Männergruppe, die ihrer Lieblingsbeschäftigung am heutigen Tag - dem Vernichten diverser Alkoholika - nachgeht.

Wir ziehen noch durch bis Ehingen, lassen es für heute gut sein, und können auf zwei interessante Etappentage zurückblicken. Diese Route durch Oberschwaben hat uns wirklich gut gefallen, resümieren wird beim Abendessen. Am Nachbartisch sitzt ein eigenartiges Paar. Beide über sechzig. Anscheinend ihr erstes Date. Er gibt recht an, trumpft ziemlich auf und erläutert ihr recht plakativ, was sie alles bei einer Hochzeit vom ihm erwarten kann. Sie wirkt eher desinteressiert und passiv. Geht aber dann doch mit ihm mit.
   
Trüber Start in den Tag.  
Die schönste Dorfkirche der Welt.
Am Federsee.
Lange begleitet uns heute eine dunkle Wolkenfront.
Blick auf den Bussen.
Und von dort oben dann über das Land.
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