Von Leutershausen nach Neustadt an der Aisch
62 Km
     
Wie heisst es doch? Pankraz, Servaz, Bonifaz, machen erst dem Sommer Platz? Es sind die Eisheiligen, die im Augenblick das Wetter bestimmen. Es ist kühl, windig, regnerisch, wie halt oft um diese Jahreszeit. Der Vorstoss des Sommers zu Anfang unserer Reise war dagegen eher ungewöhnlich. Doch auch dieses Bewusstsein erhöht die Motivation an so einem Morgen nicht. Wir ziehen los, radeln nach Norden durch das Altmühltal. Ortsnamen wie "Meuchlein" lassen einen dann doch auch wieder schmunzeln und heben die Stimmung.

Colmberg bleibt rechts von uns liegen, wir kommen in Hornau allmählich der Altmühlquelle näher und peilen Burgbernheim an, das schon im Aischtal liegt. Es geht durch den Wald erst unmerklich bergan, dann folgen ein paar Wellen, einige Meter stärkere Steigung, dann urplötzlich mit fünfzehn Prozent Gefälle auf regennasser Strasse bergab. Da schnauft man erstmal tief durch und balanciert die Chose langsam und vorsichtig bergab. Dann sind wir im Aischtal angekommen und folgen dem Aischtalradweg, einer meiner Lieblingsrouten. Der Richtungswechsel von circa neunzig Grad macht den Gegen- zum Seitenwind, tendenziell werden wir sogar ein wenig angeschoben.
  So sind wir im Nu in Bad Windsheim, wo wieder mal Zeit für eine Mittagspause ist. In dieser Stadt verlässt mich immer mein Orientierungssinn. Hinein finde ich immer ganz gut, der Weg hinaus erweist sich immer als problematisch. Auch heute ist der Marktplatz zugestellt und man sieht keine Fahrradwegweiser. So lasse ich mir ein wenig helfen und frage in der Touristeninfo nach dem Weg, da fällt mir durchaus kein Zacken aus der Krone.

Nach Mittag schiebt uns der Wind ausnahmsweise voran. Wir lassen uns das gerne gefallen und radeln noch bis Neustadt an der Aisch, wo wir uns ein Zimmer nehmen. Bei der Stadtbesichtigung fällt mein Blick auf ein Kuriosum: Eine Telefonzelle! So richtig wie früher! Es ist leider keine gelbe, sondern ein späteres silbern-magenta-farbenes Modell, aber immerhin. Für mich ist das deswegen fast eine Sensation, weil bei uns in der Schweiz längst schon alle Telefonzellen demontiert sind - und mich der Anblick einer Telefonzelle an meine Kindheit erinnert, damals, als es nur wenige Privatanschlüsse gab.
   
Auch eine Einstellung.  
Ein trüber Morgen an der oberen Altmühl.
Colmberg im Regen.
Auch im Aischtal ist es nicht viel besser.
Erst in Neustadt an der Aisch kommt allmählich die Sonne durch.
Relikt aus alten Tagen.
 
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